DJ Eugen - High Quality Alternative Music
     
     
     
     
 

Nächster Termin: Fr, 10.9.2010 - 21:00
rhiz - DJ Eugen

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Psychedelic / Alternative Pop-Rock

Luna - Ein Abschied

Nach rund 15 Jahren packen die Meister des eleganten Understatements aus New York nun leider endgültig ein. Das alles klingt zum Glück schlimmer als es ist.
Die Auflösung einer großartigen Band ist immer traurig, umso besser ist es dann, wenn man das Ereignis angemessen zelebriert und die Fans nachhaltig daran erinnert, was ihnen in Zukunft abgehen wird. Luna haben dies in Form einer von Matthew Buzzell gedrehten Doku über ihre Abschiedstour "Tell Me Do You Miss Me" und einer Best Of CD, wahlweise mit Cover- Versionen- Disc als Bonus, bewerkstelligt.
Bandleader Dean Wareham hat vor ungefähr 20 Jahren die legendären Galaxie 500 gegründet. Unter unüberhörbarem Einfluß von Velvet Underground, Television und Joy Division haben sie die düsteren Seiten der Psychedelic Music kultiviert und damit Legionen von Indiebands bis zum heutigen Tag beeinflußt.
Nach der Auflösung kam es dann 1992 zur Gründung von Luna², nach dem Debütalbum "Lunapark" wurde dem Bandnamen aber wieder die Wurzel gezogen, und seither blieb es dann bei Luna. Warehams nasaler Vortrag wurde mit der Zeit noch zurückhaltender, dafür traten verstärkt Witz, Präzision und Eleganz in den Vordergrund. Nach dem Rhythmus von Warehams Gitarre kann man seine Uhr stellen, und die exzessiven Duelle mit Leadgitarrist Sean Eden müssen keine Vergleiche mit den jenen der Großmeister wie Tom Verlaine/Richard Loyd oder Lou Reed/Sterling Morrison zu scheuen. Letzterer gastierte übrigens auch auf Lunas vielleicht besten Album "Penthouse" (1995), das vom Rolling Stone (immerhin) einmal zu den Top 150 Alben der 90er gewählt wurde. Alles was danach folgte, war aber um nichts schlechter, das seltsam verträumte "The Days Of Our Nights" (1999) wartet gar mit der Besonderheit auf, daß der Track "The Slow Song" auf Deutsch vorgetragen ist. Nach Zeilen wie "Wenn du im Halbschlaf bist, im Wunderland und weit von mir entfernt - Schau in den Himmel , Engelshände säen Senfkörner des Wahnsinns" könnte selbst einem Herrn Distelmeyer oder von Lotzow vor Staunen die Kinnlade runterfallen....
"Tell Me Do You Miss Me" zeigt Luna dann auf ihrer Abschieds-Welttournee, die natürlich wieder einmal nicht durch Österreich geführt hat. Wir erleben den üblichen Reisestreß, enthusiastische Fans aus Japan und einen Flughafenbediensteten aus Valencia, der bei der Ankunft von Luna gleich seine gelbe Dienstjacke signieren läßt. Wareham, Sean Eden, Warehams Lebensgefährtin Britta Phillips und Lee Wall sind intelligente, zurückhaltende und humorvolle Menschen, trotzdem wird klar, daß es manchmal totzdem nicht immer lustig ist, für die Dauer einer Tour jeden Tag miteinander verbringen zu müssen. Gerade Warehams unterschwelliger Zynismus und Edens leicht komödiantische, joviale Art reiben sich gelegentlich. All das wird noch etwas schwieriger, wenn man von seiner Band nicht einmal besonders gut leben kann. Beziehungen sind gescheitert, Familien wurden vernachlässigt, aber damit soll jetzt schluß sein. Warum das alles aber doch Sinn gehabt hat, zeigen die Ausschnitte vom allerletzten Konzert im New Yorker Bowery Ballroom. Fans beschreiben Luna so überzeugend als die Band seines Lebens, die sie durch ihre Jugend und Erwachsenenleben begleitet hat. Ihre Musik war immer ein passender Soundtrack für Tagträume in schwierigen Zeiten und stand für Leichtigkeit ohne Banalität. Als letzte Zugabe spielen sie dann Fred Neils "Everybody´s Talking", umarmen einander und verneigen sich vor dem gar nicht so traurigen aber sichtlich gerührten und dankbaren Publikum.
Wie es sich gehört, haben Luna den Schlußstrich auch mit einer Best Of CD gezogen. Über die Auswahl können die Hardcore-Fans natürlich endlos streiten, klar ist aber, daß alle guten Songs dieser Band auf einer 80-minütigen CD nicht genügend Platz finden können. Die Bonus CD besteht ausschließlich aus Coverversionen und bestätigt Warehams schier unfehlbaren und breit gestreuten Geschmack. Lennon, Gainsbourg, Tom Rush, Talking Heads, Wire, Suicide, Dream Syndicate und Kraftwerk könnten nicht besser zu Warehams Coolness passen, er hat aber auch genügend Humor, um Alice Cooper zu covern. Ein besonderes Highlight ist auch "Sweet Child O´Mine", - mir war zugegebenermaßen früher nicht bewußt, wie toll ein Song von Guns´N´Roses sein kann.
Wareham macht aber natürlich weiter, gemeinsam mit Britta Phillips wird hoffentlich dort angeknüpft, wo sie 2002 mit dem damals als Nebenprojekt geplanten Album "L´Avventura" (für mich die beste und sexieste Platte jenes Jahres) aufgehört haben. Nachdem es mit der EP "Words We Used To Say" schon ein vielversprechender Vorgeschmack veröffentlicht wurde, soll noch in diesem Winter der Longplayer erscheinen. -Also, alles gar nicht so traurig wie befürchtet.

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