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Americana / Folk
Gram Parsons - Fallen Angel
Die tragisch faszinierende Geschichte des legendären Pioniers der modernen Countrymusik und Erfinders der "Cosmic American Music" war Insidern schon längst bekannt. Ausgerechnet ein junger Norddeutscher schafft das Kunststück, die Story mit dem nötigen Respekt in dieser intelligenten, berührenden Doku festzuhalten.
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Chris Hillman, u.a. Bassist der Byrds und überhaupt einer der ganz Großen der Popgeschichte, bringt es im Film auf den Punkt: Das Leben von Gram Parsons gleicht einem klassischen Südstaatendrama, Geld, Alkohol, Drogen und vor allem Tod, wohin man auch schaut. 1945 als erster Sohn einer begüterten Familie geboren, mußte Cecil Ingram Connor III (Gram) schon mit zwölf Jahren den Selbstmord seines Vaters hinnehmen, und er war gerade mal 18, als seine Mutter an den Folgen ihrer Alkoholkrankheit starb. Gram ließ daraufhin seine kleine Schwester Avis bei ihrem Stiefvater zurück, ging mit der großzügigen finanziellen Hinterlassenschaft seines Vaters nach Harvard, wo er sich aber statt zu studieren fast ausschließlich mit Drogen, Folk- und Countrymusik beschäftigte. In L.A. nahm er mit der International Submarine Band sein erstes Album auf und war kurze zeit später Mitglied der Byrds, die damals so etwas wie die amerikanischen Beatles waren. Unbeeindruckt von den Genies, mit denen er es zweifellos zu tun hatte, steuerte er die Band in eine völlig neue Richtung. "Sweetheart Of The Rodeo" war das erste moderne Countryalbum, das die "uncoolen" traditionalistischen Wurzeln mit zeitgenössischer Instumentierung verband. - Viele Kritiker und Musiker führen "Sweetheart..." bis zum heutigen Tag an der Spitze ihrer ewigen Bestenlisten. -Inspiriert von seinen neuen besten Freunde, den Rolling Stones, weigerte sich Parsons dann, die Südafrika-Tournee der Byrds mitzumachen, stieg aus und nahm ihnen gleich die halbe Band weg, um "The Flying Burrito Brothers zu gründen. Mit dabei war übrigens auch der erst heuer verstorbene ´Sneaky´ Pete Kleinow, der begnadete Pedal Steeler. Nach dem großartigen "Gilded Palace Of Sin" warf Chris Hillman den drogengezeichneten und immer unzuverlässigeren Parsons einfach aus der Band. Dem war es wohl eher egal, am liebsten hing er ohnehin mit Keith Richards herum und nahm immer mehr und härtere Drogen. 1971 riß er sich dann noch einmal zusammen und nahm mit Unterstützung der blutjungen Emmylou Harris und der Band von Elvis Presley(!) sein Solodebüt GP auf, zwei Jahre später erschien "Return Of The Grievous Angel". Die Fertigstellung des Albums wurde dann mit Freunden, darunter sein Roadie Phil Kaufman, gefeiert, aber der erst 27-jährige Parsons sollte diese Party nicht überleben und starb in seinem Motelzimmer im Room #8 im Joshua Tree Inn wohl an einer Überdosis. Bei der Überstellung der Leiche zu seiner Familie nach New Orleans erfüllte Kaufman dann einen angeblich mit Parsons geschlossenen Pakt, entführte den Sarg vom Flughafen, um in der Wüste eine Feuerbestattung durchzuführen. -Zweifellos der Stoff, aus dem ganz große Legenden entstehen. An diesem sensiblen Punkt setzt Gandulf Hennigs Film an, und wir hören zum ersten Mal die Stellungnahmen von Gram Parsons´ Familie und Freunden. Diese waren damals völlig unvorbereitet mit der Nachrichtenmeldung konfrontiert, daß Grams Leiche vom Flughafen entführt wurde. Tage später wurde sie dann halb verkohlt am Wüstenrand gefunden. (Bernie Leadon von den Burrito Brothers und später den Eagles bringt es im Interview etwa so auf den Punkt: "If for whater reason you want to cremate somebody, do some fucking research!"). Die einst so coole Legende bedeutete in Wahrheit ein fürchterliches Trauma für alle, denen Gram etwas bedeutete. Die Stärke von Hennigs Dokumentation besteht darin, daß die musikalische Bedeutung Parsons´ eingefangen und gewürdigt wird, gleichzeitig aber die nackte Tragik seines Lebens, sein Egoismus und seine Rücksichtslosigkeit gegenüber seiner Umwelt genauso zu ihm gehören wie sein strahlender Mythos. In fast 8- jähriger Arbeit hat Hennig Archivmaterial gesammelt und unter mühsamen Bedingungen recherchiert. Erstaunlicherweise konnte er dabei Interviewpartner wie einen etwas oberflächigen Keith Richards, Emmylou Harris, Gram Parsons´ Witwe Gretchen und viele andere gewinnen, die in berührender Offenheit ihr Leid und ihre Betroffenheit über 30 Jahre nach Grams Tod preisgeben.
Ein paar teilweise sehr witzige Highlights des Films liefert der eingangs erwähnte Chris Hillman, der besonnene Südstaaten- Gentleman, der mit dem weisen Understatement eines Mannes, der den Rock´N´Roll ziemlich unbeschadet überlebt hat, viele seiner Kollegen und Freunde aber viel zu früh gehen sah, oft sehr trockene pointierte Kommentare abgibt. -Aber zu Herrn Hillman wird es an dieser Stelle zu einem späteren Zeitpunkt ohnehin mal ein eigenes Portrait geben.
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